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Gold der Bronzezeit - Herstellungstechnik - Provenienz

Goldschatz von Gessel - Herstellungstechnik und Provenienz

Im Rahmen der restauratorischen Freilegung des bei den Ausgrabungen an der NEL-Pipeline geborgenen, bedeutenden Goldschatzes von Gessel (Landkreis Diepholz) und seiner archäologischen Aufarbeitung kamen immer mehr Fragen auf, die eine interdisziplinäre Kooperation mit den Naturwissenschaften erforderten. Da im Zuge eines vom NLD erst 2011 mit der Leibniz Universität Hannover geschlossenen Kooperationsvertrages kompetente Partner aus der Chemie (Institut für Anorganische Chemie (ACI), AK Analytik) zur Verfügung standen, bot sich die einmalige Gelegenheit, den kompletten Goldschatz von seiner ersten Freilegung an durch naturwissenschaftliche Fachaufsicht begleiten zu lassen. Die allererste Frage bei der Freilegung betraf die fest anhaftende schwarze Schicht am Gold. Da aus der optischen Begutachtung nicht eindeutig erkennbar war, ob es sich um eine gewollte pigmentierende oder ungewollte mineralische Beschichtung handelt, wurde dieser Belag als allererstes einer detaillierten Analyse unterzogen. Hiernach empfahlen die Chemiker die restlose Entfernung dieser Schicht, wobei einige Goldspiralen für zukünftige Untersuchungen im Fundzustand belassen werden sollten. Ebenso stellten die Analytiker fest, dass die Oberfläche des Goldes ungewöhnlich stark von Abplatzungen (Oberflächenverhärtung) bedroht ist, was ein außerordentlich behutsames Vorgehen bei der Freilegung und Reinigung der einzelnen Goldgegenstände erforderte. Nachdem die wichtigsten restauratorischen Fragen mit Hilfe der chemischen Analytik geklärt werden konnten und die Freilegung ohne generelle Bedenken durchgeführt werden konnte, widmeten sich die Wissenschaftler den archäologischen Fragen nach Herstellungstechnik und - vom besonderen Interesse – nach der Herkunft des Goldes. Zur Klärung der gestellten Fragen wurden traditionelle aber auch modernste Techniken eingesetzt, welche zum Teil zu high-end Anwendungen in den Naturwissenschaften zählen. Von der digitalen Lichtmikroskopie bis hin zu hochkomplexen Techniken zur Isotopenverhältnisbestimmung für die angestrebte Provenienzklärung kam alles zum Einsatz was die moderne Analytik in Hannover zu bieten hat. Besonders zur Klärung der Provenienz kam eine teils selbstentworfene, zimmergroße Apparatur zum Einsatz, welche derzeit nicht nur eine der genauesten weltweit ist, sondern in dieser Form weltweit die einzige ist, welche überhaupt für archäologische Fragestellungen zur Verfügung steht.

Bronzezeitliches Gold aus musealen Beständen

Laserablation von wertvollen Goldschalen unter restauratorischer Aufsicht. Links Daniel Fellenger, rechts Restaurator Wolfgang Konrad-Falz.

Zur Erstellung einer Provenienzkarte für Gold der Bronzezeit werden nach und nach die bronzezeitlichen Goldgegenstände aus musealen Beständen untersucht.

Da die Analysen im Grunde zerstörungsfrei (Eingriff nicht sichtbar) mittels Laserablation (Kraterdurchmesser einige µm, unter der Auflösungsgrenze des Auges) erfolgt, steht erstmals der komplette Pool an wertvollen Kunstgegenständen aus musealen Beständen zur Verfügung.

Bei bisherigen Analysen in anderen Laboratorien musste stets aktiv eine sichtbare Probenmenge entnommen werden. 

Die Laserablation bedeutet in diesem Zusammenhang einen Quantensprung, weil keine Probenentnahme mehr notwendig ist und das Goldobjekt, so unförmig es auch sei, als ganzes analysiert werden kann ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen. 

Zur Zeit stehen die bronzezeitlichen Goldgegenstände aus dem niedersächsischen Landesmuseum im Fokus, Absprachen mit weiteren Museen werden bereits geführt.  

 

 

 

Indisches Gold der Bronzezeit im Vergleich zum Europäischem

Goldspiralen aus Mitteleuropa (um 1000 v. Chr.) und Goldscheiben der Harappa-Kultur (vor 2000 v. Chr.). Wohl prämonetäre Handelsformen.

Untersucht werden Unterschiede in Verarbeitung und Qualität des Goldes im Hinblick auf ihre Formenkunde und Funktion. Während beispielsweise die Goldschieben der Harappa-Kultur (vor 2000 v. Chr.) in Indien wohl als Zahlungsmittel gebraucht wurden (bisher auch mehrere dutzend Kilo Gold gefunden), scheint das Gold im bronzezeitlichen Europa (vor 1000 v. Chr.) sehr rar zu sein. Es findet sich meist an Handelsrouten von Salz und Bernstein. Die Funktion besonders der Spiralen ist noch umstritten. Die zu Spiralen aufgewickelten Drähte waren eine leicht zu Schmuck zu verarbeitende Transportform von Gold. Gewisse Korellationen in der Kettengliederanzahl und Feingehalt lassen die Frage zu, ob sie möglicherweise als prämonetäres Zahlungsmittel mit Schmuckoption Verwendung fanden. Hier sind die Parallelen zu anderen Völkern, wie z.B. den Indern, von großem Interesse.

Das Rheingold – Fingerprinting des Flussgoldes

Rheingold im Probenanschliff für die Laserablation-Massenspektrometrie

Um das Rheingold ranken sich zahlreiche Mythen. Es wird bis heute im sehr kleinen Umfang gefördert. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der BGR Hannover wurde der Rhein systematisch nach Gold beprobt und mittels Laserablation auf die Spurenelementmuster hin untersucht, um neue Daten für die bereits umfangreiche Gold-Provenienzdatenbank in Hannover zu erhalten.  Dabei wurde eine erstaunliche Entdeckung gemacht, welche mit früheren Analysen von keltischen Goldmünzen korreliert. Das Rheingold weist demnach eine außerordentlich seltene Anomalie auf, welche die Identifizierung dieses Goldes selbst in Legierungen mit geringen Anteilen des Rheingoldes erlaubt. Näheres wird noch publiziert. Zum Vergleich wurden weiterführend Gold führende Flüsse in Schweden und anderen  Teilen Europas untersucht. Zukünftiges Ziel wird es sein, möglichst alle Flussgoldvorkommen Europas zu erfassen.

Kooperationsprojekt mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover.